verBLOGt testet: Bastion
Was bekommt man, wenn man eine Fantasiewelt erschafft, sie dann fast vollständig zerstört und es dem Gamer überlässt, diese mit Hilfe eines weißhaarigen Kindes und begleitet von einer allgegenwärtigen Off-Stimme wieder aufzubauen? Die Entwickler von Supergiant Games haben das Experiment gemacht, dabei herausgekommen ist: Bastion. Im Auftrag von spielbar.de testen wir regelmäßig Games. Jeden Monat erscheint eine neue Beurteilung, dieses mal durften wir uns dieses Indiegame anschauen. Doch seht selbst.
Genre: Indie – Action Roleplaying Game
Entwickler / Publisher: Supergiant Games / Warner Bros. Interactive
Plattform: PC (getestet), Xbox Live Arcade
Erscheinungsdatum: 16.08.2011
USK-Freigabe: ab 12 Jahren
total-verpLANt: ab 12 Jahren
Gegen das Ende der Welt – Kid rettet Caelondia
In Bastion verfolgt der Spieler das Schicksal eines weißhaarigen Kindes, im Spiel einfach nur Kid genannt. Der namenlose und wortkarge Held erwacht zu Beginn des Spiels in seinem Bett und findet seine Welt Caelondia nahezu vollkommen zerstört vor. Er steht auf – in diesem Moment übernimmt der Spieler die Kontrolle über Kid. Die Kamera zeigt den Helden aus der Vogelperspektive, gesteuert wird er mit der Tastatur, die Maus wird zum Fadenkreuz. Es gibt kein Einführungsvideo, dafür ist eine Erzählerstimme zu hören, die das Spielgeschehen kommentiert. Somit erfährt der Spieler, dass die Zerstörung Caelondias von einem großen Unheil ausgelöst wurde, der Calamity. Nur noch wenige Bereiche der Welt schweben inselartig umher. Wenn sich der Spieler an den Abgrund bewegt, baut sich die Welt vor ihm auf. Kid rettet sich in einen der letzten Zufluchtsorte, den die Bewohner im Falle schlechter Zeiten aufsuchen sollen: die Bastion. Es hat jedoch niemand dorthin geschafft – bis auf einen älteren Mann namens Rucks, dem die begleitende Erzählerstimme gehört.
Rucks schickt den Spieler zu den letzten verbliebenen Gegenden Caelondias, um Kerne einzusammeln, die dabei helfen, die ebenfalls angeschlagene Bastion wieder aufzubauen. Ausgerüstet mit zwei aus insgesamt zwölf Waffen seiner Wahl macht sich der Spieler nun auf die Suche nach diesen Kernen und nach den Ursprüngen der Calamity. Dabei lenkt er Kid durch eine Vielzahl comicartiger Level und kämpf in Echtzeit gegen Riesenfrösche, Pflanzen, Geister und eine Reihe weiterer fantasieartiger Monster.
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- Duellpistolen ermöglichen es Kid, aus sicherer Entfernung auf diese viel zu groß geratene Pflanze zu feuern.
Mit Hilfe der Kerne können in der Bastion bis zu sechs Gebäude mit unterschiedlichen Funktionen errichtet werden. Beispielweise können in der Schmiede Waffen mit Gegenständen verbessert werden, die zuvor im Fundbüro gekauft wurden. Im Arsenal kann der Spieler Waffen und Fertigkeiten für den Kampf auswählen, in der Destille dazu Destillate, die ihm Boni wie erhöhtes Leben oder mehr ausgeteilten Schaden einbringen. Die Gedenkstätte bietet eine Vielzahl von Nebenaufgaben, die mit zusätzlichen Kristallen, der Währung im Spiel, belohnt werden. Als letztes Gebäude steht der Schrein zur Verfügung, in dem der Schwierigkeitsgrad angepasst werden kann.
Bastion verfügt über verschiedene Spielmodi, die sich allerdings alle auf einen Singleplayer beschränken. Es gibt für Einsteiger den “Null-Problemo-Modus” mit unendlich vielen Leben. Fühlt sich der Spieler fit genug, kann er den Normal-Modus starten. Dieser dauert ungefähr zehn Stunden, für einen Level braucht der Spieler ca. 20 Minuten. Es gibt kein separates Tutorial, denn Bastion erklärt dem Spieler während der ersten Spielstunden eher beiläufig die insgesamt einfache Steuerung.
Beurteilung
Unsere Spielmotivation: Die Kombinationsmöglichkeiten
Kid stehen insgesamt zwölf Waffen zum Meistern der Gegner zur Verfügung, er kann jeweils zwei davon plus einer Spezialfertigkeit für eine der Waffen mit in den Kampf nehmen. Es gibt Nahkampfwaffen wie der Caelhammer oder die Machete, und Fernkampfwaffen wie die Duellpistolen oder die Muskete. Jede Waffe kann bis zu fünfmal verbessert werden. Bei jeder Stufe kann sich der Spieler zwischen zwei Upgrades entscheiden. Beispielweise kann er entweder die Reichweite der kegelförmig schießenden Muskete auf Kosten des Streuwinkels verbessern – oder umgekehrt. Das Sammeln und verbessern aller Waffen macht unheimlich viel Spaß und wurde schnell zu unserem Spielziel. Es gibt unheimlich viele Kombinationsmöglichkeiten, zudem wird die Wahl eines Waffenpaares im Waffenlager immer von der Erzählerstimme kommentiert, beispielweise die Duellpistolen und der Mörser: “With all that firepower kid looks ready to raid a fort”, übersetzt: “Mit all dieser Feuerkraft scheint Kid bereit zu sein, ein ganzes Fort einzunehmen.” – großartig.
Der Schwierigkeitsgrad kann den Fähigkeiten des Spielers angepasst werden
Grundsätzlich ist Bastion im normalen Modus sehr einfach. Mit der Wahl der richtigen Waffen, Upgrades, Destillate und Fertigkeiten hat der Spieler bis zum Schluss nur wenige Probleme. Dies kann er im in der Bastion stehenden Schrein jedoch beliebig ändern. Denn dort kann er bis zu zehn verschiedene Gottheiten anbeten, dessen Resultat die Erhöhung des Schwierigkeitsgrades ist. Micia, Göttin des Verlusts und der Sehnsucht veranlasst Gegner beispielweise, ihre Wunden mit der Zeit heilen zu lassen. Als Belohnung für die Anbetung erhält der Spieler allerdings 5 % mehr Kristalle und Erfahrungspunkte. Betet der Spieler alle Gottheiten an, aktiviert er einen Bonus von satten 75 %, allerdings ist dieser Schwierigkeitsgrad nur noch echten Könnern zu empfehlen. Das Prinzip – mehr Beute für größeren Schwierigkeitsgrad – ist nicht neu, allerdings verfügt es in Bastion über viele Abstufungen und kann jederzeit angepasst werden.
Somit ist des dem Spieler selbst überlassen, seine Fähigkeiten einzuschätzen. Diese wären im Falle von Bastion Reaktionsvermögen und schnelles Entscheiden in hektischen Kämpfen, sowie die Ausdauer, schwierige Passagen immer wieder zu versuchen, bis diese gemeistert sind.
Sollte der Spieler doch noch Übungsbedarf verspüren, kann er ins gesamt zwölf Übungsgelände aufsuchen, in der waffenspezifische Aufgaben gelöst werden müssen. Beispielsweise müssen mit einer begrenzten Anzahl an Schüssen Hindernisse mit Pfeil und Bogen zerstört werden. Als Belohnung winken dem Spieler je nach Erfolg drei unterschiedliche Waffenverbesserungen als Preise.
Auf Grund der zahlreichen Schwierigkeitsgrade und Trainingsmöglichkeiten ist Bastion für Anfänger genauso ansprechend wie für geübte Spieler.
USK-Freigabe: gerechtfertigt
Bastion spielt in einer postapokalyptische Welt, in der nichts sicher ist. Der Boden baut sich vor dem Spieler auf und verschwindet sogar teilweise wieder hinter ihm. Schuld daran ist die zuvor geschehene Katastrophe, die Calamity, der fast ganz Caelondia zum Opfer gefallen ist. In einem der Level werden dem Spieler die Schatten vergangener Bewohner Caelondias vorgestellt, die während der Calamity gestorben sind. Immer wieder betont der Erzähler, dass die armen Gesellen es nicht geschafft haben. Zusammen mit entsprechender musikalischer Untermalung wird somit eine bedrückende Atmosphäre geschaffen. Der Spieler sollte an dieser Stelle Abstand zum Spielinhalt nehmen können.
Ein weiteres Beispiel für nötige Distanzierung ist die Destille. In dieser kann der Spieler bis zu zehn alkoholische Getränke aktivieren, die ihm Verbesserungen wie Extraschaden oder mehr Leben verleihen. Hier wird Alkohol eine fördernden Wirkung zugesprochen.
Allerdings werden diese Eindrücke durch die Verwendung des Comiclooks deutlich entschärft und tauchen eher am Rande des Geschehens auf, sowieso steht die Rettung und der Wiederaufbau der Fantasiewelt im Vordergrund. Dementsprechend ist die USK-Freigabe ab 12 Jahren unserer Meinung nach völlig angebracht.
Hochwertiger Soundtrack, überzeugende Grafik
Bastion kleidet sich in ein überzeugenden Comiclook, die Grafiken sind handgezeichnet. Das Ergebnis erinnert an Anime und harmoniert bestens mit der fantasievollen Story des Spiels.
Abgerundet wird dieser Eindruck durch den qualitativ absolut hochwertigen Soundtrack. Mal sind die Lieder ruhig und sehr emotional. Beispielweise versuchen wir in einer Mission eine junge Frau Namens Zia aus den Überresten Caelondias zu retten. Wir folgen dabei den Klängen ihrer Harfengitarre, zu denen sie “Build that Wall” singt. Ein Lied über Hoffnung und Wiederaufbau, das sie spielt, während wir uns durch die Trümmer einer vergangenen Welt kämpfen. Genauso kommt der Soundtrack an anderer Stelle absolut energiegeladen daher und treibt den Spieler mit massiven, rockigen sowie westernartigen Klängen von einen Kampf in den nächsten. Insgesamt bringt der Soundtrack gekonnt die melancholische Endzeitstimmung des Spiels bestens auf den Punkt.
Hinzu kommt der gelungene Einsatz der tiefen, schweren Erzählerstimme, denn diese klärt den Spieler nicht nur über vergangene Ereignisse während des Spiels auf, sondern kommentiert auch direkt seine Handlungen. Wenn der Spieler den Caelhammer im ersten Level findet und anstatt direkt weiterzugehen ihn an den umstehenden Kisten ausprobiert, kommentiert die Erzählerstimme dies mit “Kid just rages for a while.” Die Stimme ist zwar leider nur auf Englisch verfügbar, wird aber mit Untertiteln übersetzt. Insgesamt bietet dieses innovative Feature eine neue Form, in einem Spiel die Geschichte zu erzählen, denn Bastion verzichtet dadurch fast vollständig auf Zwischendialoge.
| total-verpLANt Beurteilung zu Bastion | |
|---|---|
| Spielspaß | |
| Viele Waffen und Upgrades sorgen hauptsächlich für den Spielspaß. | |
| Lerneffekt | |
| Selbsteinschätzung durch die Wahl verschiedenster Schwierigkeitsgrade, schnelles Reaktionsvermögen durch hektische Kämpfe. | |
| Geselligkeit | |
| Bastion ist unnötigerweise ausschließlich ein Singleplayer - Vergnügen. | |
| Grafik | |
| Comicartige Grafik passend zum Anime-Look. | |
| Sound | |
| Bastion schafft eine absolut runde Soundkulisse, und bietet einen genialen Soundtrack plus eine absolut passende Off-Stimme. | |
| Overall | |
|---|---|
| Bastion ist ein kurzweiliges, actionlastiges Indiegame für ein gemütliches Wochenende am Computer. | |
Über den Autor: Christopher Dibke
Als Mitglied von total verpLANt e.V. seit 2006 dazu berufen, dem Verein als Schriftwart und Turnierorganisator zu dienen. In Zusammenarbeit mit spielbar.de Tester von Spielen, die der Gesinnung von total verpLANt e.V. entsprechen: gesellig, ausgefallen, und mit einer gesunden Portion pädagogischen Wertes. Verfechter von RTS und RPG sowie Indiegames.

























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